Forschung

Forschungsprogramm

Der Schwerpunkt im Arbeitsprogramm des Ludwig Boltzmann Instituts für Sozialpsychiatrie für die Jahre 2011 - 2013 liegt auf drei Themenkreisen:

  1. Der Einfluss von Finanzierungsmechanismen auf die Qualität der Versorgung von Personen mit psychischen Störungen im EU-Projekt REFINEMENT (7. Rahmenprogramm (2011 - 2013) - Research on Financing Systems' Effect on the Quality of Mental Health Care). Dabei befasst sich das Institut in erster Linie mit finanziellen Anreizmechanismen bei der Bezahlung von Leistungen im Gesundheits- und Sozialwesen sowie mit dem Studium der PatientInnenpfade durch das Versorgungssystem.
  2. Es werden ausgedehnte Analysen mittels Record Linkage durchgeführt, um verschiedene offene Fragen zur psychiatrischen Versorgung in Österreich zu beantworten. In Zusammenarbeit mit dem Hauptverband der Österreichischen Sozialversicherungsträger und der Technischen Universität Wien werden Fragen wie Drehtürpsychiatrie, Zuweisungsverhalten, Kontinuität der Betreuung, Inanspruchnahme von Medikamenten etc. untersucht.
  3. Außerdem arbeitet das Insitut in einem Konsortium (ROAMER) zahlreicher europäischer Forschungseinrichtungen mit, in dem eine "Roadmap for Psychiatric Research" entwickelt wird.

Darüber hinaus werden für abgeschlossene Projekte Publikationen erstellt. Dazu gehören PROMO, EUGATE, ITHACA, das Apothekenprojekt oder STIGMA.

 

Laufende Forschungsprojekte

Derzeit werden zwei EU-Projekte und fünf andere Projekte durchgeführt.

EU-Projekte:

REFINEMENT - Research on Financing Systems' Effect on the Quality of Mental Health Care

ROAMER - Roadmap of psychiatric Research

 

Andere Projekte:

Apothekenprojekt: Klienten mit psychischen Problemen in Apotheken

Suizidversuch und Suizid - 30 Jahre Follow-Up

"Narrenturmprojekt": Analyse der Aufnahme- und Entlassungsdynamik im 19. Jahrhundert

Stigma Coping bei Schizophrenie

Patientenpfade

 

Disseminationsaktivitäten finden derzeit für die folgenden EU-Projekte statt:

EUGATE - European Best Practices in Access, Quality and Appropriateness of Health Services for Immigrants in Europe

ITHACA - Institutional Treatment, Human Rights and Care Assessment

PROMO - Best Practice in Promoting Mental Health in Socially Marginalized People in Europe

DATAPREV - Developing the Evidence base for Mental Health Promotion and Prevention in Europe: a database of programmes and the production of guidelines for policy and practice

  

Apothekenprojekt

Hintergründe und Ziel
Apotheken sind für die Gesundheitsversorgung nicht nur wegen der Medikamentenabgabe wichtig, sondern weil sie eine niederschwellige Möglichkeit sind, Gesundheitsinformationen zu erhalten. In der Untersuchung soll eruiert werden, wie ApothekerInnen psychische Störungen bei ihren Klienten sehen und ihre eigene Rolle im Hinblick auf diese Klienten beurteilen.

Methodik
In einer Pilotstudie wurde ein Fragebogen bei 30 ApothekerInnen getestet, der über die Österreichische Apothekerkammer an alle ApothekerInnen Österreichs ausgeschickt wird.

Dauer
2007 - 2011

Finanzierung
Eigenmittel des Instituts, Sachmittel der Österreichischen Apothekerkammer

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Suizidversuch und Suizid - 30 Jahre Follow-Up

Hintergründe und Ziel
Suizidversuch und Suizid werden oft nur als verschiedene "Schweregrade" ein und desselben Phänomens betrachtet. In dieser 30-Jahre prospektiven Follow-Up Studie wird das Risiko eruiert, nach einem Suizidversuch an einem Suizid zu versterben.

Methodik
Aktenanalyse einer Kohorte von 276 Patienten, die 1971 einen Suizidversuch verübt hatten, im Hinblick auf das Versterben an einem Suizid. Publikationsstadium

Dauer
2002 - 2011

Finanzierung
Eigenmittel des Instituts

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"Narrenturmprojekt"

Hintergründe und Ziel
Charakteristika von 1811 und 1812 im "Narrenturm" des Wiener AKH aufgenommenen PatientInnen und Aufenthaltsdauer zu eruieren soll eine Vergleichsmöglichkeit mit der aktuellen Situation der stationären psychiatrischen Versorgung ermöglichen.

Methodik
Analyse aufgefundener Dokumente für den genannten Zeitraum - Eingabe in EDV-verwertbare Datenbank.

Dauer
2008 - 2011

Finanzierung
Eigenmittel des Instituts

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Stigma Coping bei Schizophrenie

Hintergründe und Ziel
Wie viele Studien zeigen, erfahren Patienten, die an Schizophrenie leiden, Stigma und Diskriminierung. Die vorliegende Studie analysiert die Bewältigungsmechanismen, die präventiv gegen Stigma und Diskriminierung eingesetzt werden.

Methodik
Fragebogenerhebung

Dauer
2008 - 2011

Finanzierung
Eigenmittel des Instituts

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Patientenpfade

Hintergründe und Ziel
Es gibt keine oder nur unvollständige Daten über die Pfade der Inanspruchnahme psychiatrischer Dienstleistungen über verschiedene Dienste und Einrichtungen hinweg. In einem ersten Projekt wurde dieser Frage mit Daten der nö. GKK nachgegangen (Publikationsliste Nr. 632 Katschnig/Endel). Dabei ergaben sich Zusatzfragen, die durch Pseudonymisierung und Verlinkung verschiedener Datenbanken für das Bundesland NÖ beantwortet werden. Aktuell werden PatientInnenpfaden für Personen untersucht, die Antidementiva verschrieben bekommen haben.

Methodik
Record linkage von relevanten Datenbanken nach Pseudonymisierung.

Dauer
2011 – 2012

Finanzierung:
BM f. Gesundheit

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EUGATE - European Best Practices in Access, Quality and Appropriateness of Health Services for Immigrants in Europe

Hintergründe und Ziele
Migrantinnen und Migranten haben aufgrund zahlreicher Barrieren oft einen schlechteren Zugang zur Gesundheitsversorgung als die Mehrheitsbevölkerung. Das Gesundheitssystem ist daher, v. a. vor de Hintergrund einer steigenden Migrationsrate, vor neue Herausforderungen gestellt.
Das "EUGATE" Projekt reagiert auf diesen Trend und untersucht die Qualität, den Zugang und die Angemessenheit der Gesundheitsversorgung von MigrantInnen in 16 EU Ländern mit dem Ziel, nationale Best-Practice Modelle zu identifizieren und so die Versorgung von MigrantInnen und Migranten in Zukunft zu verbessern.

Methode
Im Rahmen des EUGATE Projekts werden bestehende Regelungen und Gesetzte zur Gesundheitsversorgung von MigrantInnen untersucht, um so ein vernetztes Wissen über nationale und internationale Regelungen zu erhalten. Darüber hinaus werden bestehende Angebote hinsichtlich ihrer Inanspruchnahme und Qualität bezüglich der Gesundheitsversorgung von MigrantInnen befragt. Des weiteren wird ein Delphi-Prozess mit ExpertInnen der Gesundheitsversorgung und -forschung zum Thema "Best-Practice in der Gesundheitsversorgung von MigrantInnen" durchgeführt.

Dauer und Finanzierung
Das Projekt dauert von Jänner 2008 bis Dezember 2010 und wird von der Europäischen Kommission, DG Sanco, finanziert.

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte unsere englische Projektwebsite:
http://www.eugate.org.uk/

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ITHACA - Institutional Treatment, Human Rights and Care Assessment

Hintergründe und Ziele
ITHACA steht für "Institutional Treatment, Human Rights and Care Assessment" und ist ein EU-Projekt in 16 europäischen Ländern, das Menschenrechts- und Versorgungsaspekte in psychiatrischen Betreuungseinrichtungen untersucht. Dabei liegt der Fokus auf der Wahrung der Menschenrechte einerseits und der Verbesserung des körperlichen Gesundheitszustandes andererseits. Ziel des Projekts ist es folglich, die Menschenrechtssituation ebenso wie die körperliche Gesundheit von Betroffenen in psychiatrischen Betreuungseinrichtungen zu verbessern.

Methode
Im Rahmen des ITHACA-Projektes wird ein Erhebungsinstrument für die systematische Beurteilung der beiden oben genannten Aspekte der psychiatrischen Behandlung in Institutionen entwickelt, nämlich erstens der Wahrung der Menschenrechte und zweitens der Gewährleistung der allgemeinen medizinischen Versorgung.

Dauer und Finanzierung
Das Projekt dauert von Mai 2007 bis April 2010 und wird von der Europäischen Kommission, DG Sanco, finanziert.

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte unsere englische Projektwebsite:
www.ithacastudy.eu

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PROMO - Best Practice in Promoting Mental Health in Socially Marginalized People in Europe

Hintergründe und Ziele
Psychische Gesundheitsförderung und die Vorbeugung psychischer Erkrankungen unter der Gruppe der Sozial-Marginalisierten gilt als besondere Herausforderung in den europäischen Ländern. Zwar gibt es verschiedenste Maßnahmen und Einrichtungen in den einzelnen Ländern, aber keine einheitliche Orientierung und Information bezüglich Best Practice und Richtlinien für Umsetzungsstrategien.

PROMO bringt ExpertInnen aus 14 Mitgliedsstaaten zusammen und sammelt und vernetzt das vorhandene Wissen im Bereich psychische Gesundheitsförderung bei Randgruppen. Best Practice im Umgang mit Randgruppen soll identifiziert werden, Implementierungsrichtlinien und Empfehlungen zur psychischen Gesundheitsförderung sollen erstellt werden.

Methode
Sechs Faktoren der sozialen Marginalisierung werden berücksichtigt: (1) Langzeitarbeitslosigkeit, (2) Obdachlosigkeit, (3) Sex-Arbeit, (4) Asyl- und Flüchtlingsstatus, (5) illegaler Aufenthalt und (6) Zugehörigkeit zur ethnischen Gruppe der Roma und Sinti. Am Beispiel von zwei Bezirken aus den europäischen Großstädten der 14 beteiligten Länder (in Wien wurden die Bezirke Ottakring und Brigittenau gewählt) werden soziale und medizinische Einrichtungen hinsichtlich ihrer Leistungen der psychischen Gesundheitsförderung bei den sozial marginalisierten Gruppen untersucht. Ein entsprechendes Erhebungsinstrument wurde von europäischen ExpertInnen mittels Delphi-Prozess entwickelt. Eine Analyse der Gesetze zeigt die Rahmenbedingungen der psychischen Gesundheitsförderung auf. Mittels qualitativer Interviews mit Personen, die Einblick in die Versorgung der Randgruppen haben, sollen Stärken, Schwächen und besondere Herausforderungen der psychischen Gesundheitsförderung bei Randgruppen analysiert werden. Schlussendlich sollen Modelle der Best Practice identifiziert werden.

Dauer & Finanzierung
Das Projekt dauert von September 2007 bis August 2010 und wird von der Europäischen Kommission, DG Sanco finanziert.

Für weitere Informationen besuchen Sie bitte unsere englische Projektwebsite:
http://www.promostudy.org/

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DATAPREV - Developing the Evidence base for Mental Health Promotion and Prevention in Europe: a database of programmes and the production of guidelines for policy and practice

Hintergrund
Psychische Krankheiten stellen rund 20% aller Krankheiten bzw. frühzeitigen Todesfälle in Europa. Psychische Krankheiten können jedoch durch die Implementierung von Programmen zur evidenzbasierten Förderung psychischer Gesundheit und Prävention psychischer Krankheit reduziert werden. Allerdings ist die mangelnde Zugangsmöglichkeit zu evidenzbasiertem Wissen ein wesentliches Hindernis für die Einführung effektiver Programme. Deshalb ist im Aktionsplan für psychische Gesundheit der WHO ("Helsinki Declaration") die Forderung nach der Entwicklung von integrierten Datenbanken für diesen Zweck enthalten.

Ziele
Das erste Ziel ist die Vermehrung und Verbreitung der vorliegenden Erkenntnisse über Politik und Praxis zur Förderung psychischer Gesundheit und Prävention psychischer Krankheit in den EU Mitgliedsstaaten. Zu diesem Zweck wird ein standardisiertes Online-Informationssystem entwickelt, in dem vorhandene Praktiken zur Förderung psychischer Gesundheit und Prävention psychischer Krankheit erfasst werden, genauer gesagt, Programme für eine verbesserte kognitive und emotionale Entwicklung, die Reduktion von psychischen Erkrankungen und psychiatrischen Symptomen und die Verbesserung der psychischen Gesundheit werden beschrieben. Die sozialen und wirtschaftlichen Folgen, wie etwa verbesserte Ausbildung und verminderte Krankenstandskosten, werden ebenfalls dargestellt. Schließlich wird die Evidenzbasis quantitativ und qualitativ beschrieben, um politische Entscheidungen, Forschung und Praxis zu unterstützen.

Methoden
Die Methoden sind vielfältig. Zunächst wird ein Protokoll mit dem Zweck erstellt, die bestehenden Gesundheitsförderungs- und Präventionsprogramme zu erfassen, zu beschreiben und zu beurteilen. Im Anschluss daran wird eine Software für die Eingabe und das Durchsuchen von ausgewählten Programmen entwickelt. Für die relevantesten Settings werden die Resultate und die vorliegende Evidenz für die Wirksamkeit sowie die Kosteneffektivität beschrieben. Besonders beachtet wird der Wissensaustausch zwischen Netzwerken und Ländern. Schließlich soll eine europäische Konferenz organisiert werden, um die Verbreitung der vorliegenden Erkenntnisse zu fördern, Richtlinien zu entwickeln und Kapazitäten aufzubauen.

Dauer und Finanzierung
Das Projekt wird von der Europäischen Kommission 'DG Research' finanziert und dauert von September 2007 bis August 2010.

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Abgeschlossene Forschungsprojekte

Die abgeschlossenen Forschungsprojekte sind in den -> Jahresberichten dargestellt.